Fallbericht: Freispruch und Erhalt der Versorgungsansprüche im Wirtschaftsstrafrecht

Zuletzt aktualisiert: 22.05.2026

Ausgangslage: Betrugsvorwurf gegen pensionierten Beamten

Ein ehemaliger hochrangiger politischer Beamter im Ruhestand sah sich mit einer schweren Anklage wegen Betrugs konfrontiert. Der Vorwurf lautete, er habe nach seiner Pensionierung private Einkünfte gegenüber seinem früheren Dienstherrn nicht offengelegt. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft und des Dienstherrn hätte er dazu verpflichtet sein müssen, weil diese Einkünfte auf seine Versorgungsleistungen hätten angerechnet werden müssen.

Für den Mandanten stand mehr auf dem Spiel als nur ein Strafverfahren. Bei einer Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr drohte der Verlust seiner künftigen Versorgungsansprüche. Damit wäre seine wirtschaftliche Existenz im Ruhestand ernsthaft gefährdet gewesen, zumal auch sein guter Ruf auf dem Spiel stand.

Die Herausforderung: Verbindung von Straf- und Verwaltungsrecht

Der Fall war besonders komplex, weil er strafrechtliche und verwaltungsrechtliche Fragen miteinander verband. Der Mandant hatte sich zunächst im Ermittlungsverfahren selbst verteidigt, was jedoch nicht zum gewünschten Ergebnis führte. Sein früherer Dienstherr forderte daraufhin überzahlte Versorgungsbezüge zurück. Auf Empfehlung eines Kollegen, der das verwaltungsgerichtliche Verfahren betreute, suchte der Mandant schließlich die Unterstützung von Rechtsanwalt Jasper Graf von Schlieffen, Fachanwalt für Strafrecht in Berlin.

Die Strategie: Zusammenarbeit und juristische Genauigkeit

Nach der Übernahme des Mandats sichtete Rechtsanwalt von Schlieffen die Ermittlungsakten sorgfältig und stimmte sein Vorgehen eng mit dem Kollegen aus dem Verwaltungsrecht ab. Gemeinsam erreichten sie, dass das Strafgericht zunächst abwartete, bis das Verwaltungsgericht über die rechtlichen Fragen im Zusammenhang mit den Versorgungsleistungen entschieden hatte.

Im Verwaltungsverfahren wurde die komplizierte und unklare Rechtslage umfassend dargestellt. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass die einschlägigen Vorschriften widersprüchlich und rechtlich unsicher waren. Es empfahl einen für den Mandanten günstigen Vergleich und hielt im Protokoll ausdrücklich fest, dass keine Anhaltspunkte für ein vorsätzliches Verhalten vorlagen.

Diese Einschätzung des Verwaltungsgerichts war für den weiteren Verlauf des Strafverfahrens entscheidend.

Das Ergebnis: Freispruch und gesicherte Zukunft

Auf Grundlage der Feststellungen im Verwaltungsverfahren konnte die Verteidigung überzeugend darlegen, dass dem Mandanten kein schuldhaftes Handeln nachgewiesen werden konnte. Das Strafgericht eröffnete zwar das Hauptverfahren, sprach den Mandanten jedoch frei. Zur Begründung führte das Gericht aus, dass die einschlägigen Vorschriften so unklar waren, dass nicht erkennbar gewesen sei, wie sich der Mandant hätte richtig verhalten müssen.

Der Freispruch bedeutete für den Mandanten nicht nur die vollständige Rehabilitierung, sondern auch den Erhalt seiner Versorgungsansprüche und damit finanzielle Sicherheit für seinen weiteren Lebensweg. Auch sein persönlicher Ruf blieb gewahrt, da eine öffentliche Hauptverhandlung vermieden werden konnte.

Fazit von Rechtsanwalt Jasper Graf von Schlieffen

„Auch wenn man seiner Unschuld sicher ist, sollte man sich in einem Strafverfahren niemals allein verteidigen. Gerade bei Beamten oder Pensionären im Wirtschaftsstrafrecht ist es entscheidend, die Verbindung von Straf- und Verwaltungsrecht zu verstehen. Nur so lassen sich schwerwiegende Folgen für Beruf und Versorgung vermeiden.“

Was dieser Fall zeigt

Dieser Fall verdeutlicht, wie wichtig eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Straf- und Verwaltungsrecht ist. Eine frühzeitige anwaltliche Beratung kann nicht nur den Ausgang eines Strafverfahrens entscheidend beeinflussen, sondern auch verhindern, dass ein Mensch seine wirtschaftliche Sicherheit verliert. Selbst bei komplexen Betrugsvorwürfen im Wirtschaftsstrafrecht kann ein Freispruch erreicht werden, wenn keine eindeutige Pflichtverletzung vorliegt und die rechtlichen Fragen sorgfältig aufgearbeitet werden.

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